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Augenblick Anfang des Jahres. Vorsätze werden gefasst ... und bald wieder fallen gelassen. Zu schwach bin ich oft, meine Vorsätze auch zu verwirklichen. Aber da ist die Jahreslosung, die mir sagt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ Dieses Wort rechnet von Anfang an mit meiner Schwachheit. Der Gedanke, dass Gottes Kraft sich in den Schwachen und Armen, den Gebeugten und Entrechteten zeigt, findet sich oft in der Bibel: Gott erwählt das schwache, versklavte Volk Israel und führt es in die Freiheit. Das ist eine der biblischen Grunderzählungen, die vielfach entfaltet wird, wenn schwache Menschen zu Propheten berufen werden, wenn Armen und Migranten besonderer Schutz zukommt, wenn der bedrängte Psalmist Gottes Hilfe erfährt. Diesem Gedanken entsprechen auch die Worte und die Taten Jesu, der die Ausgegrenzten in die Mitte der Gesellschaft zurückholt, sich mit den Sündern an einen Tisch setzt, ein Kind als Vorbild für die Glaubenden hinstellt und selbst in Einsamkeit und als Ohnmächtiger stirbt. Gott ist also - so könnte ich schlussfolgern - auch bei mir, wenn ich schwach bin. Und wenn Gott bei mir ist, dann wird er mir helfen, meine Schwäche zu überwinden. Vielleicht kann ich dann meine Vorsätze doch noch erfüllen. Aber so ist die Jahreslosung nur teilweise zu verstehen, denn die Übersetzung Martin Luthers ist missverständlich. In ihr verschwindet das entscheidende Prädikat des Satzes: Meine Kraft kommt in den Schwachen zum Ziel. In den Schwachen vollendet und erfüllt sich Gottes Kraft. So ist es zu verstehen. Das letzte Wort Jesu am Kreuz nach dem Johannesevangelium klingt an: Es ist vollbracht. Es geht gar nicht darum, Schwäche zu überwinden, sondern in der Schwäche kommt Gott zu seinem Ziel: am Kreuz und im Leiden, in schwierigen Lebenssituationen und in Misserfolgen, auch in Enttäu- schungen und in Verzweiflung. Das scheint paradox, denn für mich ist Gott oft der Allmächtige, von dessen All- macht ich gerne etwas abbekommen möchte. Die Jahreslosung aber macht wieder neu deutlich: Gott ist einer, der sich auf die Ebene des Ohnmächtigen begibt und dessen Kraft sich so entfaltet. Krippe und Kreuz drücken das zeichenhaft aus: die armseligen Verhältnisse, in die Jesus hineingeboren wurde, und die erniedrigenden Verhältnisse, unter denen er stirbt. Aber gerade in diesen Verhältnissen ist Gott da und entfaltet von dort eine dem Menschen zugute kommende Kraft. In der Krippe liegt das Kind, das Gottes neue Welt verkündigen wird. Am Kreuz hängt der Mann, der auferweckt wird - als Hoffnung für uns alle, die wir schwach sind. Peter Radziwill |
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Bild Matthias Orphal | ||||||